Sandra Postel

 

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Vom Tellerwäscher zur Mega-Yacht

 

Ich bin durch Zufall bei der Seefahrt gelandet. Ursprünglich nämlich war ich Augenoptikerin. Für die Meisterprüfung fehlte mir noch ein bisschen Geld, und so antwortete ich auf die Anzeige eines Schiffseigners, der für die Werftzeit bei Blohm & Voss Leute zur Betreuung der Crew sucht. Der Job war gut bezahlt, Englisch kein Problem, und so heuerte ich an und fand mich sehr schnell in der Werft-Kantine wieder. Tatsächlich hat meine Karriere in der Schifffahrt also mit Tellerwaschen begonnen.

 

Aber die Arbeit machte Spaß, und zwar sehr viel mehr, als ich mir je vorgestellt hätte. Die weltoffene, heitere Atmosphäre an Bord und auf der Werft, das unvoreingenommene Miteinander der Menschen aus sprichwörtlich fast allen Ländern der Welt, der Sprach- und Kulturen-Mix … Das war etwas sehr Einmaliges, und ein Arbeitsklima, in dem ich mich schnell sehr wohl fühlte. Außerdem gab es täglich etwas zu lernen, neue Aufgaben und Herausforderungen und auch eine Menge zu lachen.

Was ich zunächst nicht wusste war, dass die Kantine im Trockendock direkt neben dem Büro der Eignervertretung lag. Dort saß ein Team zusammen, das den Neubau der„MY Eclipse“ plante, der mit 162,5 Meter Länge damals größten Mega-Yacht der Welt. Ein internationales Team, bestehend aus einigen der besten Schiffsbauern, Designern und Konstrukteuren der Welt.

Und auch sie brauchten Kaffee, ab und zu ein Stück Kuchen oder eine anständige Mahlzeit. Und manchmal brauchten sie auch eine Übersetzerin, mitunter jemanden der irgendetwas für sie besorgte, telefonierte, ein paar Büroarbeiten übernahm und ihnen so die Arbeit erleichterte. Und irgendwann fragten sie mich, ob ich nicht Lust hätte, Teil ihres Teams zu werden. Ich habe mit Kopierjobs angefangen, später die Verwaltung der Genehmigungs-Baupläne übernommen und war schließlich für die Koordinierung der Inneneinrichtung zuständig.

Und weil ich schon während der ganzen Bauzeit der Yacht an Bord war, dadurch alles und jeden kannte, fuhr ich auf diesem wahrscheinlich spektakulärsten Schiff der Welt noch zwei Jahre als Purser zur See.

Und meine Meisterprüfung? „Ja“, die habe ich später tatsächlich auch noch gemacht. Ob ich aber jemals wieder als Augenoptikerin arbeiten werde, ist ziemlich fraglich. Seefahrt hat schon was …